Es war Philip Killigrew, der den Toten in einem Haus der verlassenen Küstensiedlung Ernakulum fand. Der Mann lag hinter der Tür, auf dem Bauch und in verkrümmter Haltung, die Beine angezogen, als hätte er sich mühsam wieder aufrichten wollen. Er trug lediglich eine Wickelhose, deshalb fiel sofort auf, daß seine Haut von großflächigen Geschwüren überzogen war. Mindestens ein Dutzend Ratten waren über den Leichnam hergefallen. Da der Mann schon seit Tagen tot war, bot er einen entsprechend abstoßenden Anblick. Einige der Tiere reagierten aggressiv und griffen Philip an. Er hielt sie sich mit Fußtritten vom Leib und schlug mit dem Schiffshauer zu. Erst als mehrere blutige Kadaver vor ihm lagen, ebbte die Angriffslust der Ratten ab. Pfeifend verschwanden sie in ihren Schlupflöchern…
Am Strand erschien ein dürres Individuum, das von Carberry gleich als «seltsamer Heiliger» bezeichnet wurde. Der Kerl sah in der Tat merkwürdig genug aus. Er hatte lange und strähnige schwarze Haare, die ihm bis weit über die Schultern fielen, und trug um den dürren Oberkörper einen Fetzen, der sich früher mal Hemd genannt hatte, jetzt aber überwiegend aus Löchern bestand. Um die Hüfte war eine Art Lendenschurz geschlungen, an der Seite hing ein abgewetzter alter Lederbeutel. Das merkwürdige Individuum war rein aus dem Häuschen, als es die Schebecke auf die Insel zuhalten sah. Es schrie und keifte, hüpfte von einem Bein aufs andere und benahm sich wie ein Irrer, der einen Veitstanz aufführt. Der Kerl vollführte dann einen Handstand, sprang wieder auf die Füße und kratzte sich mit beiden Händen den Kopf, als wolle er sich die Haare raufen…
"Feuer frei!" rief Philip Hasard Killigrew. Al Conroy, der Stückmeister, wartete einen Atemzug lang, bis sich die Lage des Rumpfes stabilisiert hatte, dann senkte er die Lunte auf das Zündloch. Das Pulver brannte blitzesprühend ab, dann zuckte die mehr als halbarmlange Flamme aus der Mündung. Rohr und Lafette wurde zurückgeworfen, eine graue Wolke Pulverdampf stieg auf und wurde bugwärts davongetrieben. Al Conroy sprang zum nächsten Geschütz und zündete es, ohne sich um die Flugbahn des ersten Geschosses zu kümmern, aber dann blieb er stehen und schaute aus zusammengekniffenen Augen hinüber zu der Karavelle. Jawohl, Treffer! Und da zündete der Stückmeister die beiden nächsten Culverinen…
Das Trompeten eines Elefanten schreckte die Arwenacks auf. Augenblicke später trampelte der Dickhäuter heran. Ein zweites Tier mit mächtigen Stoßzähnen folgte ihm. Beide Elefanten wurden von Mahauts gelenkt. Sie walzten nieder, was ihnen im Wege stand. Damit hatte niemand gerechnet. Ben Brighton riß seine Muskete hoch und legte auf den Führer des vorderen Tieres an, doch sein Schuß ging fehl und peitschte wirkungslos ins Laubdach. Der erste schleuderte dem Dickhäuter die nutzlos gewordene Muskete entgegen, warf sich herum und floh zum Fluß. Daß die Waffe wie ein dünner Bambußspross zertrampelt wurde, sah er schon nicht mehr. Die Arwenacks stoben nach allen Seiten auseinander. Zu spät erkannten sie, daß sie in eine perfekt aufgebaute Falle geraten waren…
Auf der ankernden Dhau standen Särge mit Toten, die zum Verbrennen an Land geschafft werden sollten. Die Arwenacks hatten sich erboten, bei dieser grausigen Aufgabe zu helfen, und waren bei der Dhau längseits gegangen, auf der offenbar kranke Männer vermummt herumtorkelten. Und da passierte es. Die Vermummten rissen sich plötzlich die dunklen Umhänge und Kapuzen fort und zogen Messer und Dolche hervor. Und während sich die ersten Kerle über das eigene Schanzkleid schwangen und auf die tiefer gelegenen Decksplanken der Schebecke sprangen, flogen die Deckel der Särge hoch, und die Toten wurden mit überraschender Schnelligkeit lebendig. Da wußte jeder Arwenack, daß es jetzt ums Ganze ging. Sie waren üblen Halsabschneidern in die Falle gegangen…
Zwar konnten die Arwenacks in Trivandrum ihren Proviant ergänzen, aber für den Ärger sorgte ein portugiesischer Tenente, der sie für mindestens fünf Tage unter Quarantäne stellen wollte und dreist behauptete, sie hätten den Schwarzen Tod ins Land gebracht. Da konnten die Arwenacks nur lachen, doch als der Tenente zur Festnahme schreiten wollte, platzte dem Profos Carberry der Kragen. Er holte blitzartig aus, sein Profoshammer raste in einem Halbkreis durch die Luft und traf haargenau das Kinn des Portugiesen. Der überschlug sich halb zwischen seinen Soldaten, flog in den Sand und rührte sich nicht mehr. Die anderen Arwenacks blieben auch nicht faul. Es dauerte nur fünf Atemzüge lang, dann waren die Soldaten entwaffnet…
Am Strand erschien ein dürres Individuum, das von Carberry gleich als «seltsamer Heiliger» bezeichnet wurde. Der Kerl sah in der Tat merkwürdig genug aus. Er hatte lange und strähnige schwarze Haare, die ihm bis weit über die Schultern fielen, und trug um den dürren Oberkörper einen Fetzen, der sich früher mal Hemd genannt hatte, jetzt aber überwiegend aus Löchern bestand. Um die Hüfte war eine Art Lendenschurz geschlungen, an der Seite hing ein abgewetzter alter Lederbeutel. Das merkwürdige Individuum war rein aus dem Häuschen, als es die Schebecke auf die Insel zuhalten sah. Es schrie und keifte, hüpfte von einem Bein aufs andere und benahm sich wie ein Irrer, der einen Veitstanz aufführt. Der Kerl vollführte dann einen Handstand, sprang wieder auf die Füße und kratzte sich mit beiden Händen den Kopf, als wolle er sich die Haare raufen…
Matt Davies, der sich mit der linken Hand an einem Fall festhielt, rammte den Haken seiner Kunsthand in den Magen eines Inders, der ihn ansprang. Mit einem würgenden Schrei sackte der Mann zusammen. Matt fing ihn ab, drehte sich halb herum und kippte den zappelnden Burschen über das Backbordschanzkleid. Der Körper klatschte zwischen zwei Boote ins Wasser. Matt wirbelte herum und suchte den nächsten Gegner. Ein halbnackter Inder, das Messer zwischen den Zähnen, stürzte sich auf Bob Grey. Matt Davies sprang zwischen zwei kämpfenden Gruppen hindurch und packte den Kerl noch in der Luft am Bein. Der Inder verfehlte sein Ziel, glitt von der Schulter Bobs ab und krachte mit dem Kopf gegen das Dollbord des Beibootes…
Mehr als zehn Jahre hatte Timotheus Jakobus Patterson als letzter Überlebender auf einer der Malediveninseln gehaust, vor der seine Karavelle aufgelaufen war. In dieser Zeit war er schrullig geworden. Eines Nachts war ihm der Herr im Traum erschienen und hatte ihm befohlen, einen Kasten zu bauen. Von da an hielt sich Timotheus für Noah, der dazu auserkoren war, den Rest der Welt vor dem Untergang zu bewahren. Er sollte eine Arche bauen, und das tat er, indem er die alte Karavelle ausbesserte und wieder so hinkriegte, daß sie einigermaßen seetüchtig war. Und dann ging er mit dem vergammelten Kahn in See – samt einigen Affen, Papageien, Ziegen, Ratten und Schweinen. Als er der Schebecke der Seewölfe begegnete, beschimpfte er sie als Hurenböcke, die in sich gehen und beten sollten, denn der Weltuntergang stehe bevor…
Dem ersten Soldaten, der die Flinte auf ihn anlegte, stieg der Profos gehörig auf die Zehen. Der Mann brüllte auf, als habe ihn ein Elefant getreten. Das wiederum behagte dem Profos nicht. Er schlug zu. Mit beiden Pratzen gleichzeitig. Von rechts und links. Der Inder mußte sich fühlen, als sei er zwischen die zusammenkrachenden Becken einer Militärkapelle geraten. Er verdrehte die Augen und ließ die Flinte fallen. Auf seinen Wangen zeichneten sich die kräftigen Abdrücke von zehn Fingern ab, die nach einiger Zeit wohl alle Farben aufweisen würden. Carberry lüftete den Mann von den Füßen und benutzte ihn als lebenden Rammbock, um die anderen zurückzudrängen. Fünf Kerle verloren nacheinander den Halt und klatschten rücklings ins Hafenbecken…
"Die Arme schön nach oben", sagte eine Stimme in hartem Englisch, das sich wie das Knarren von Windmühlenflügeln anhörte. «Sonst habt ihr alle drei ein Loch im Kopf!» Hasard war fassungslos, so mit seinen Söhnen überrumpelt zu werden. Er wollte nach seinem Radschloß-Drehling greifen, doch er blickte genau in den Lauf einer Muskete, die aus dem Gebüsch schräg von oben auf ihn gerichtet war. In dem Mangrovengestrüpp hockte ein scharfgesichtiger Mann mit blonden Haaren und harten Augen. Einen weiteren mit einem dunkelblonden Vollbart entdeckte er etwa fünf Yard vor sich. Auch er hielt eine Muskete auf sie gerichtet. Weiter hinten bewegte sich ein dritter Musketenträger, der bis an die Hüften im Sumpf stand und schmal grinste. Der Teufel mochte wissen, wie viele Kerle hier noch im Verhau stecken mochten. Den drei Seewölfen blieb nichts anderes übrig, als mit den Fingern in den Himmel zu greifen…
Don Juan de Alcazar verließ seinen Brander erst kurz vor der portugiesischen Galeone, auf die er verbissen zugesteuert war. Da wurde bereits auf ihn geschossen. Er ließ sich rücklings über das Dollbord fallen und atmete noch einmal tief ein, bevor das Wasser über ihm zusammenschlug. Kräftige Schwimmstöße brachten ihn aus der unmittelbaren Nähe der Galeone, und als er wieder auftauchte, geschah das weit von der Stelle entfernt, an der ihn die Portugiesen vermuteten. Wenig später schrammte der Brander am Rumpf der Galeone entlang. Die Flammen spragen auf Rüsten und Wanten über und begannen ihr zerstörerisches Werk. Dann zerriß eine ohrenbetäubende Explosion die lodernde Morgendämmerung über der Reede. Augenblicke später setzte ein Trümmerregen ein. Ringsum zischte und brodelte es, als brennende Wrackteile ins Wasser klatschten…
Dan O´Flynn und Smoky waren zum Lenzen im Vorschiff der «Respectable» eingeteilt, als sie plötzlich merkten, daß sich zu den Geräuschen des Sturms draußen auf See ein dumpfes, hohles Dröhnen hinzugesellte. Sie stellten das Pumpen ein und lauschten. Und da passierte es auch schon. Ein gräßliches, durch Mark und Bein gehendes Knirschen erklang, der Bug des Viermasters schien sich zu heben, ein harter Ruck folgte. Smoky krachte gegen die Lenzpumpe, Dan O´Flynn taumelte nach vorn. Die «Respectable» schrammte über den Grund. «Raus hier, wir laufen auf!» schrie Smoky. Splitternd und berstend bohrte sich was Mächtiges, Dunkles durch die Planken an Steuerbord, die wie dünne Hölzer geknickt wurden. Wasser spritzte schäumend nach allen Seiten, dann schoß es in mehreren armdicken Strahlen in den Raum…
Dan O'Flynn hatte das Tau an dem Ast über sich gepackt, zog sich bis zum Stamm zurück und nahm auf dem nassen Moos des Astes, auf dem er stand, einen Anlauf von drei Schritten. Er sprang zwischen den Blättern hervor und schwebte etwa sieben Yards weit durch die Luft. In dem Augenblick, als der portugiesische Stückmeister die funkensprühende Lunte auf das Zündloch senkte, war Dan über ihm. Die Mündung der Drehbasse wies genau auf die stürmenden und enternden Seewölfe auf der Steuerbordseite. Ein Stiefel traf den Stückmeister zwischen die Schultern, der andere schlug gegen den Griff der Drehbasse. Ein scharfer Schmerz zuckte durch Dans rechtes Schienbein. Der Stückmeister wurde nach vorn katapultiert, er flog über den Niedergang hinweg und krachte auf die Planken. Der Schuß der Drehbasse dröhnte auf, aber die Ladung fuhr schräg in den Himmel …
Wilton Smithfield, Dritter Offizier der «Glorious», und sechs Männer hatten den Untergang ihrer Galeone überlebt und waren im Stützpunkt der Korsaren freundlich versorgt worden. Zum Dank stahlen sie die «Empress of Sea II.» des Old O´Flynn und ließen einundzwanzig Schatzkisten mitgehen. Und dann verrieten sie die Position des Stützpunktes auf der Insel Great Abaco an die Spanier – in der Hoffnung, von den Schätzen der Korsaren noch mehr zu erraffen und das Kopfgeld zu kassieren, das von der spanischen Krone auf die Ergreifung des Philip Hasard Killigrew ausgesetzt worden war. Ja, die Spanier versprachen dem Milton Smithfield eine «biblische Belohnung», und als er sie empfing, wurde er weiß vor Wut, denn es war nur ein Ledersäckchen mit dreißig Silbermünzen. Der Judaslohn, wie der Spanier verächtlich sagte, die «biblische Belohnung», wie sie auch Judas Ischariot erhalten hatte…
Ich, Clinton Wingfield, hockte außenbords auf dem Bootsmannsstuhl und versah die Bordwand mit einem neuen Farbanstrich, als die See hinter der Schebecke plötzlich von einem Augenblick auf den anderen zu schäumen und zu brodeln begann. Eine unheimliche Wasserwand baute sich auf, gigantisch, furchterregend, tödlich. Ich hörte den Seewolf Befehle brüllen, aber ich war unfähig aufzuentern. Ich konnte den Blick nicht von der riesigen Welle lösen, die sich schäumend und tosend heranwälzte. «Clinton!» Jemand brüllte aus Leibeskräften meinen Namen. Vielleicht war es der Profos, möglicherweise auch Mister Shane. Mehr verstand ich nicht. Gischt und Schaum und gleich darauf eine erstickende Wasserflut schlugen über mir zusammen. Und dann hatte ich das Gefühl, rasend schnell in eine endlose Tiefe zu stürzen…
An Deck der Schebecke bewegten sich abenteuerliche Gestalten, deren Anblick dem Kriegsminister der Vereinigten Staaten von Amerika das Blut in den Adern gefrieren ließ. Das ist wahrhaftig noch besser als im Theater, dachte er. Jedenfalls wirkte es absolut echt. Schaurig und schön zugleich, aber widerum auch befremdlich. Sein Herz klopte laut. Achtern auf dem Deck des seltsamen Schiffes stand ein schwarzhaariger Riese mit silbergrauen Fäden an den Schläfen. Er trug Degen und Bandelier und stemmte die Fäuste in die Hüften. Am Schanzkleid des Schiffes bewegte sich ein unwahrscheinlich breitgebauter Mann mit einem riesigen Kreuz und einem Kinn, unter das keine normale Faust paßte. Er sah drohend herüber. Und da war einer, der anstelle seiner rechten Hand nur einen Eisenhaken hatte. Auch ein zweiter tauchte neben ihm auf. Er trug ebenfalls einen eisernen Haken, der ihm die linke Hand ersetzte…
Das Ungetüm, das da heranraste, wurde lange vorher schon auf der Schebecke bemerkt. Es war einer von den Kaventsmännern, die nur selten auftraten und von vielen als unwahr abgetan wurden. Es sah aus wie eine Tsunami, eine Welle, wie sie nach einem heftigen Seebeben entsteht. Unaufhaltsam und immer größer werdend, begann sie auf die Schebecke zuzurollen. Keine Gewalt konnte sie aufhalten. Sie wuchs aus dem Meer, erst langsam und fast elegant dahingleitend. Dabei wurde sie immer höher und türmte sich zu einem Gebirge auf. «Da hilft nichts mehr», sagte Hasard, so ruhig er konnte. «Diesmal ist der Zusammenprall unausweichlich. Nur keine Panik, vielleicht haben wir Glück – vielleicht auch nicht…»
Siri-Tong stülpte Esmeralda blitzschnell die Schüssel mit dem Maisbrei über den Kopf und ließ der anderen Grazie den Wasserkrug auf die Füße fallen. Die Aufschreie der beiden Schlampen waren noch nicht verklungen, da spurtete die Rote Korsarin bereits zwischen den beiden hindurch und wuchtete dem immer noch in der Türfüllung stehenden Wachposten mit solcher Kraft die rechte Faust in die Magengrube, daß der Kerl regelrecht zusammenklappte. Ein paar Lidschläge später hatte sie sich in den Besitz des Messers und der Steinschloßpistole gebracht, spannte den Hahn der Waffe und richtete den Lauf auf die beiden Frauen. «Wenn ihr einen Pieps von euch gebt, schieße ich», versprach sie. «Und ihr dürft mir ruhig glauben, daß ich mit diesem Ding umzugehen verstehe…»
Vielleicht war es der Styx in der Unterwelt, der Old Donegal O´Flynn mit sich schwemmte. Ringsum brandete ein Rauschen und Tosen auf, als tobe ein Sturm auf offener See. Aber er befand sich in den Kavernen der verdammten Schwefelmine. Die Strömung wurde heftiger. Dagegen anzukämpfen war inzwischen so gut wie unmöglich. Old Donegal beschränkte seine Kräfte darauf, sich über Wasser zu halten. Das kühle Naß an sich war eine Wohltat, die den Dreck und den Ärger der letzten Zeit vergessen ließ, aber die Umstände waren nicht dazu angetan, in Jubel auszubrechen. Das Tosen des unterirdischen Flusses schwoll zum ohrenbetäubenden Dröhnen an. Old Donegal tauchte endgültig in den Strudeln unter. Er sah noch das riesige ausgezackte Loch auf sich zuschießen, im nächsten Moment hüllte ihn völlige Finsternis ein. Er hatte das Gefühl, in unendliche Tiefen zu stürzen…
Fast übergangslos brannte das ganze Heck der portugisieschen Galeone, wo sie sechs Culverinentreffer der Schebecke hatte hinnehmen müssen. Hasard segelte von achtern her so dicht an ihr vorbei, daß er die entsetzten Gesichter der Portugiesen erkennen konnte. Die meisten rannten in wilder Angst über die Decks, und zwei Mann sprangen in Panik über Bord. Als sie ganz dicht an der Galeone waren, schleuderten Hasards Söhne zwei Flaschenbomben mit eiskalter Ruhe an Deck. Sie brauchten dazu nicht mal die speziellen Abschußgestelle. Eine der Flaschenbomben krepierte auf der Kuhl, die andere kollerte einen Niedergang hinunter und explodierte dort. Wildes Geschrei war zu hören. Hals über Kopf verließen entsetzte Männer das Achterdeck der jetzt steuerlos in der See treibenden Galeone…
Aus den Stollenlöchern pufften kleine Wolken von Schwefelstaub hervor. Fast gleichzeitig schien von überall her dumpfer Donner zu grollen. In das Grummeln mischte sich das scharfe, ohrenbetäubende Schmettern einer lauten Explosion. Kurz darauf tobte eine zweite Detonation durch den Berg, und aus den Stollenzugängen schossen waagrechte Feuerzungen. Aus dem Hauptstollen wurden zwei Körper, die sich überschlugen, durch die Luft gewirbelt und auf die Rampen geschmettert. An einigen Stellen schienen sich Gase oder Schwefelstaub entzündet zu haben, denn aus den Löchern schlugen mächtige Flammen, die nach allen Seiten loderten. Noch eine mächtige Explosion ertönte im Innern des Bergwerks. Die Arwenacks duckten sich, als sich der Explosionsdruck durch die heiße Luft fortsetzte und überall Staubwirbel erzeugte…
Kaum hatten die Lords auf der «Respectable» erfahren, daß sich an Bord der Schebecke elf Tonnen Gold und Silber befanden, da schnappten sie völlig über. Natürlich wollten sie die wertvolle Ladung beschlagnahmen – für ihre Majestät, die Königin, wie sie behaupteten. Dabei war die Gier in ihren sonst so blasierten Gesichtern nicht zu übersehen. Da wußte Philip Hasard Killigrew, daß es jetzt auf Hieb und Stich gehen würde. In einem Blitzmanöver löste sich die Schebecke von der «Respectable», segelte in den hinteren Teil der Bucht, halste dort, ging auf Gegenkurs und kreuzte an dem ankernden Viermaster vorbei zu Ausgang der Bucht. Auf der «Respectable» hasteten die Geschützbedienungen an die Kanonen. Eine Drehbasse krachte, aber die Kerle waren viel zu aufgeregt, und so jagte der Eisenhagel ins Wasser…