Siri-Tong stülpte Esmeralda blitzschnell die Schüssel mit dem Maisbrei über den Kopf und ließ der anderen Grazie den Wasserkrug auf die Füße fallen. Die Aufschreie der beiden Schlampen waren noch nicht verklungen, da spurtete die Rote Korsarin bereits zwischen den beiden hindurch und wuchtete dem immer noch in der Türfüllung stehenden Wachposten mit solcher Kraft die rechte Faust in die Magengrube, daß der Kerl regelrecht zusammenklappte. Ein paar Lidschläge später hatte sie sich in den Besitz des Messers und der Steinschloßpistole gebracht, spannte den Hahn der Waffe und richtete den Lauf auf die beiden Frauen. «Wenn ihr einen Pieps von euch gebt, schieße ich», versprach sie. «Und ihr dürft mir ruhig glauben, daß ich mit diesem Ding umzugehen verstehe…»
Als der Kapitän der Dhau seinen Feuerbefehl brüllte, nickte der Seewolf Al Conroy zu, und der schwarzhaarige Stückmeister der Arwenacks wußte genau, was er zu tun hatte. Das Brüllen und Fauchen der Kanonen begann. Aus den Mündungsrohren beider Schiffe stachen grelle Feuerzungen hervor, dann breiteten sich Wolken von grauschwarzem Pulverdampf über den Decks aus. Die Kanonen rumpelten auf den Holzlafetten zurück, bis sie von den Brooktauen abgefangen wurden. Die Kugeln der Dhau klatschten ungefähr fünfzig Yards vor der Schebecke ins Wasser und rissen Fontänen hoch. Fast gleichzeitig sorgten die Schüsse der Arwenacks – dank der höheren Reichtweite – für eine Menge Kleinholz auf der Dhau. Ihre Backbordseite wies plötzlich drei dunkle gezackte Löcher an der Wasserlinie auf…
Die Jolle Kandur Singhs, des höchsten Zollbeamten von Bombay, hatte kaum von der Schebecke abgelegt, als plötzlich Gebrüll ertönte. Die Arwenacks fuhren herum und blickten wie erstarrt auf das Bild, das sich ihren Augen bot: Kandur Singh war der Länge nach über die Duchten gestürzt. Aus seinem Rücken ragte ein Pfeil. Er war tot. Das Geschrei der Bootsgasten, aus dem insbesondere die hohe Stimme des Dolmetschers herauszuhören war, erregte in Windeseile die Aufmerksamkeit der auf Reede liegenden Schiffsbesatzungen, vor allem der Portugiesen. Die Männer in der Jolle schienen zunächst ratlos zu sein, weil sie nicht wußten, von wo der Pfeil abgeschossen worden war. Doch dann deuteten sie wiederholt zur Schebecke. «Verdammt!» murmelte der Seewolf, «Das hat uns gerade noch gefehlt…»
Ein harter Aufprall – das war das nächste, was Old Donegal und Hasard wahrnahmen, nachdem der Boden unter ihren Füßen nachgegeben hatte. Im Handumdrehen fanden sich beide auf dem Grund einer sieben bis acht Fuß tiefen Grube wieder, umgeben von Dreck, Staub und dünnem Geäst, das sie bei ihrem Sturz mit in die Tiefe gerissen hatten. Der modrige Geruch, der sie umgab, erinnerte an ein jahrhundertealtes Verlies. Von oben fiel spärliches Licht durch die Schneise, die ihre Körper in die raffiniert getarnte Abdeckung der Grube gerissen hatten. Old Donegal fluchte mit Inbrunst. Um die Situation mit Hasard zu erörtern, blieb keine Zeit, denn von oben starrten plötzlich mehrere gelbweiß bemalte Gesichter zu ihnen in die Tiefe. Außerdem waren ein halbes Dutzend Speerspitzen auf sie gerichtet…
Dave Trooper nahm den dunklen Schatten, der auf ihn zuraste, erst im letzten Augenblick wahr. Er hatte von der Pier aus die Holzkohlesäcke in die Jolle gestaut. Jetzt richtete er sich blitzschnell auf – gerade noch rechzeitig genug, um die tödliche Gefahr zu erkennen. Er versuchte, nach links auszuweichen, schaffte es aber nicht mehr ganz. Die Messerspitze des Angreifers riß ihm am rechten Oberarm das Hemd auf, gleichzeitig spürte er einen brennenden Schmerz. Jetzt ging es um Leben und Tod. Bevor der Kerl ein zweites Mal zustechen konnte, schlug Dave Trooper zu. Der Kerl taumelte zwar zurück und ächzte, aber er gab noch nicht auf…
Der Stückmeister der «San Sebastian» gab durch ein Handzeichen zu verstehen, daß die Geschütze einsatzbereit wären. Don Gaspar hob die Hand: «Feuer frei!» Sofort begann das ohrenbetäubende Hacken und Fauchen der Drehbassen. Eisen und Blei zischten mit fürchterlicher Gewalt zu den Felsen hoch und setzten oben in der Steilwand Gestein und Geröll in Bewegung. Staub wirbelte auf, zahlreiche Steinsplitter fetzten durch die Luft. Über der «San Sebastian» breitete sich grauschwarzer Pulverdampf aus, über die Decks zog ein beißender Geruch. Und dann brüllten die bei den Culverinen der vorderen Backbordbreitseite auf und übertönten für Momente das Geschrei der Deserteure oben auf den Felsen am Wasserfall…
Die Bucht von Kanais war ein prächtiger Ankerplatz für die Seewölfe unter Ben Brightons Kommando. Der Anker faßte auf Anhieb. Aber als sie am nächsten Morgen mit ihrer Sambuke weitersegeln und den Anker hieven wollten, saß das verdammte Ding fest, obwohl sie mit acht Mann hoch und «Hau-ruck» an der Trosse zerrten. Auch mit mehreren Taljen brachen sie das Eisen nicht aus dem Grund. Darum sprang Sam Roskill außenbords und tauchte. Als er wieder an Deck erschien, grinste er und erklärte trocken, da unten sei nichts Besonderes – nur eine Galeone hinge am Anker. Der habe sich nämlich in einer Geschützpforte bestens verhakt. Und mit acht Mann und einer Ankertrosse eine versunkene Galeone zu hieven, sei mal was anderes. Solche Sprüche liebten die Seewölfe. Aber eine Galeone hing tatsächlich an ihrem Anker – und was für eine…
Obwohl die Piraten zu wissen schienen, daß sie kaum eine Chance hatten, das sich anbahnende Gefecht unbeschadet zu überstehen, wollten sie doch nichts unversucht lassen. Deshalb brach augenblicklich die Hölle los. Ein wildes Brüllen und Fauchen erfüllte die stille, malerische Bucht. Die Piraten hatten je eine Culverine auf dem Achterdeck und der Back abgefeuert. Die siebzehn Pfund schwere Kugel, die das achtere Geschütz ausgespien hatte, galt der «Isabella», die andere der Karavelle. Die Kugel die der «Isabella» zugedacht war, klatschte zwar wirkungslos ins Wasser, dafür flogen auf der Karavelle aber die Fetzen…
Im Handstreich hatte Capitan Juan de Faleiro das Kommando auf der «Mercure» übernommen – Kapitän Delamotte, Ferris Tucker und Ed Carberry waren seine Geiseln. Der Rest der Seewölfe hockte gefesselt in der Vorpiek. Kampflos hatten sie sich ergeben müssen, um nicht das Leben der drei Geiseln zu gefährden. Wie es aussah, würde es der schurkische de Faleiro schaffen, seine Gefangenen nach Spanien zu bringen und den Schergen der spanischen Justiz zu übergeben. Was das bedeutete, konnte sich jeder der Seewölfe ausrechnen, nämlich einen Schauprozeß und danach die öffentliche Hinrichtung. Das waren üble Aussichten, wenn es ihnen nicht gelang, das Blatt zu wenden. Und als sizilianische Piraten die «Mercure» angriffen, wurde die Lage vollends verworren…
Ferris Tucker wälzte sich unruhig auf der alten Matratze hin und her, die ihm als behelfsmäßiges Lager in einem Schuppen auf der Werft des alten Ramsgate diente. Er lag im Halbschlaf, aber irgend etwas störte ihn. Dann wachte er auf. Hatte sich die Geräuschkulisse verändert? Ja, zu dem Knacken und Ächzen im Gebälk des Schuppens hatte sich ein eigenartiges Knistern gesellt, das zunehmend lauter wurde. Was war das? Der Schiffszimmermann stemmte sich von seinem Lager hoch, gähnte herzhaft und öffnete nach wenigen Schritten die Schuppentür. Was er sah, raubte ihm fast den Verstand. Feuer! Feuer im Spantengerippe der neuen «Isabella»! Die Flammen leckten bereits an verschiedenen Stellen gierig an den Decksbalken hoch…
Die Meuterer packten die Black Queen und fesselten ihr die Hände auf den Rücken. Dann wurde die abgezehrte und sieche Negerin aus der Kapitänskammer gestoßen und von rohen Fäusten unter lautem Gejohle der restlichen Mannschaft zur Kuhl getrieben. Ihre wütenden Schreie und wilden Flüche, ihre Racheschwüre und Verwünschungen halfen ihr nichts. Die wüste Bande riß nur ihre Witze darüber. Viel hätte nicht gefehlt, und die Kerle wären über ihren weiblichen und jetzt abgesetzten Kapitän hergefallen. Doch Casco verhinderte das. Wenig später befand sich die Black Queen in dem Beiboot, das man bereits abgefiert hatte. Sie wurde an den Inselstrand gepullt und aus dem Boot gejagt. Hohnlachend kehrten die Kerle zur «Caribian Queen» zurück…
Die samländische Bernsteinküste bot an diesem Morgen ein Bild des Friedens. Aber das täuschte, und das friedliche Bild wurde jäh zerstört, als die Menschen am südlichen Strand auftauchten – ärmlich gekleidete Männer, Frauen und Kinder, die in gebückter Haltung den Strand absuchten. Diese Menschen sammelten Bernstein, besser gesagt, sie mußten sammeln, denn sie waren von einer doppelten Anzahl von Uniformierten umgeben, von Reitern, die mit Peitschen auf sie einschlugen und sie antrieben, schneller zu sammeln. Den Seewölfen, die mit der «Isabella IX.» vor der Küste ankerten, stieg die Galle hoch, als sie das brutale, menschenunwürdige Treiben am Strand beobachteten und sahen, wie die Peitschen geschwungen wurden…
Sir Henry, Sir John und Charles Stewart waren rechtsgültig zum Tode verurteilt worden und wurden auf Befehl des Kriegsgerichts sofort mit einer Jolle an Land gebracht. Eine weitere Jolle wurde mit dem Erschießungskommando zum Strand gepullt. Wenig später dröhnten die Salven der Exekution über die Bucht. Die drei Männer, die beutelüstern und mit hinterhältigen Plänen in die Karibik aufgebrochen waren, hauchten ihr Leben unter den Schüssen des Peletons aus. Sir Henry starb als Feigling, nämlich jammernd. Sir John und Stewart hingegen brüllten wie wilde Stiere, bevor die Kugeln sie zum Verstummen brachten…
Auf ein Handzeichen des Seewolfs hin senkten sich die brennenden Lunten auf die Zündkanäle. Grelles Feuer stach aus den Rohren von drei der insgesamt sechs Kanonen auf der Backbordseite. Pulverdampf wölkte auf, und brüllender Donner verwnadelte die Bucht in einen tobenden Hexenkessel. Zwei der schweren Kugeln krachten voll in die Backbordseite der Karavelle und hinterliesen dicht über der Wasserlinie riesige schwarze Löcher. Die dritte Kugel – ein Weitschuß, für den Al Conroy das Rohr der Culverine höher ausgerichtet hatte – hieb in unmittelbarer Nähe des Klostergebäudes in die Erde und ließ eine prächtige Dreckfontäne aufspritzen. Das war die Kriegserklärung der Seewölfe. Die Wirkung blieb nicht aus. Zahlreiche Kerle in schwarzen Mönchskutten stürzten brüllend aus dem Kloster. Aber sie schwenkten keine Gebetsbücher…
Die «San Donato» mit den Timucuas an Bord befand sich in arger Bedrängnis. Sieben Einmaster, besetzt mit Duvaliers Schnapphähnen, hatten sie umstellt und schickten sich an, die Galeone zu entern. Aber da war die «Isabella» herangesegelt, buchstäblich in letzter Minute, und schon raste eine volle Breitseite mit einem infernalischen Donnern und Fauchen auf drei der Einmaster zu und hieb zwei regelrecht in Stücke. Ein häßliches Splittern und Bersten ertönte und vermischte sich mit den Todesschreien der Piraten. Trümmerteile, zerfetzte Segel und menschliche Leiber wirbelten durch die Luft und klatschten ins Wasser. Gleich darauf begannen die beiden wrackreif geschossenen Einmaster mit geradezu unheimlicher Schnelligkeit zu sinken. Der in der Nähe der Sinkstelle befindliche dritte Einmaster versuchte sein Heil in der Flucht. Aber die Seewölfe waren nicht gewillt, ihn entwischen zu lassen – und da waren ja auch noch die vier anderen Piratensegler…
Die Dschunke änderte nicht ihren Kurs. Der Kapitän und Opiumhändler Surya Bahadur ließ offenbar jeden Fetzen Tuch setzen, weil er eine Verfolgung der Arwenacks auf der «Santa Barbara» befürchtete. So kam, was kommen mußte: Das Schicksal der Kerle auf der Dschunke nahm seinen Verlauf. Mit einem unheimlichen Bersten, das bis zur «Santa Barbara» zu hören war, lief die Dreimast-Dschunke auf die höllischen Riffe. Sie bäumte sich auf und wurde wie von einer unsichtbaren Faust geschüttelt. Die Segel krachten samt ihrer Bambuslatten auf die Decks hinunter, an vielen Stellen ergossen sich sofort große Wassermengen in den Schiffsrumpf. Die meisten der Kerle sprangen über Bord und bemühten sich, das sinkende Schiff zu verlassen…
Die Dreimastgaleone, die unter vollem Preß heransegelte, bot einen reichlich merkwürdigen Anblick. Das begann schon mit den unzähligen bunten Stoffbändern, die außenbords wie riesige Fransen an den Verschanzungen flatterten. Ergänzt wurde diese «Beflaggung» von einer beigefarbenen Flagge mit einem großen roten Herzen darauf, die munter im Topp des Fockmastes wehte. Bei der Galeonsfigur handelte es sich um einen goldenen Hahn, und der Name des Schiffes lautete «Le Coq d´Or». Aber das war noch nicht alles, was die Arwenacks so grenzenlos verblüffte. Als Blickfang besondere Art erwiesen sich die Wäschestücke, die an den Innenseiten der Wanten im Wind flatterten und offenbar zum Trocknen dort aufgehängt waren…
Hasard hielt die Lunte an den Zündkanal. Die Glut sprang über, suchte sich durch das Zündkraut ihren Weg und ließ die Drehbasse ihre verderbenbringende Ladung ausspucken. Al Conroys Drehbasse brüllte nur wenige Sekunden später auf. Über dem Achterdeck der «Isabella» wölkte Pulverdampf, der jedoch rasch vom Wind davongetragen wurde. Zwei der heransegelnden Brander wurden getroffen. Durch die brennenden Schiffe ging ein heftiges Rütteln, ein Krachen und Bersten war zu vernehmen. Augenblicke später flogen Teile von brennenden Planken, Masten und Segeln durch die Luft…
Die englischen Seesoldaten unter Sir Thomas Baskerville rückten in einem weiten Halbkreis gegen den Campira-Paß vor, dem Tor nach Panama. Hatte man es durchstoßen, dann würde auch die Hafenstadt am gleichnamigen Golf fallen oder kapitulieren. Aber der Paß war gesperrt. Spanische Soldaten hatten ihn mit schweren Baumstämmen verbarrikadiert. Hinter der mächtigen Brustwehr hatten sie Deckung. Oben in den Felsen lagen oder hockten Scharfschützen. Auch sie waren gut gedeckt. Und so entbrannte der Kampf, ein Kampf auf Leben und Tod, bei dem keiner dem Gegner etwas schenkte. Hunderte von Schußwaffen krachten und verursachten einen infernalischen Lärm, in den sich das Wummern leichter Geschütze mischte, die von den Spaniern zum Paß geschafft und dort postiert worden waren…
Urplötzlich brach die Hölle los. Die sechs Drehbrassen des «Roten Drachen» Siri-Tongs entluden sich donnernd und fast gleichzeitig. Dabei ging man nach einer Taktik vor, die sich schon oft bewährt hatte. Da von jetzt an auch mit dem Einatz der feindlichen Drehbrassen gerechnet werden mußte, nahmen sich die Männer, die an den schwenkbaren Geschützen der Back auf Station waren, die Spanier vor, die man auf der «San Mateo» an gleicher Stelle postiert hatte. Die Männer an den Heckdrehbrassen konzentrierten sich dagegen auf die feindlichen Segel und die Takelage. Aus diesem Grunde hatten sie ihre Drehbrassen mit Kettenkugeln geladen. Und schon jetzt war ihre Wirkung zu sehen. Sie wirbelten durch das Rigg und schlugen riesige Löcher in die Segel…
Don Juan de Alcazar paßte genau den richtigen Augenblick ab, um seinen Angriff auf das Flaggschiff «San José» zu fahren, das an der Spitze des spanischen Kampfverbandes segelte. Da hatte sich der Mond gerade hinter einigen Wolkenfetzen verborgen, so das die Schebecke aus dem dunklen Hintergrund heraus vorstieß. Als sie am Heck der «San José» vorbeistrich, gab Don Juan das vereinbarte Zeichen zu den Männern an den Drehbrassen. Sie donnerten gleichzeitig los und hieben ihre Ladungen mit Wucht in das Heck des Flaggschiffs – in die Ruderanlage. Das häßliche Krachen und Bersten von Holz bewies, daß die Eisenladungen ihr Ziel erreicht hatten. Und prompt lief das Flaggschiff aus dem Ruder…
Vom Achterdeck her dröhnte der Schlachtruf der Seewölfe. Dan O´Flynn war es, der ein lautes «Ar-we-nack!» über die Decks schmetterte. Dann brach das Inferno über das Piratenschiff herein. Wie verabredet, schleuderten Dan vom Achterdeck und Gary Andrews von der Back aus je eine Flaschenbombe zu den Schnapphähnen hinüber, nachdem sie die Lunten in Brand gesetzt hatten. Mit ungeheurer Wucht detonierten die Flaschen. Laute Schreie zerrissen die Abenddämmerung. Dann flogen buchstäblich die Fetzen. Das Vorschiff und das Achterschiff der Piraten wurden stark verwüstet. In einem weiten Umkreis regnete es Trümmerstücke vom Himmel…
Der Wikinger hatte drei der Angreifer bis auf wenige Schritte zum Rand des Plateaus über der Steilküste zurückgedrängt, da schlich sich ein kleiner, drahtiger Spanier schräg von hinten an ihn heran und suchte in geduckter Körperhaltung, seine wilden Schwerthiebe zu unterlaufen. In seiner rechten Hand blitzte die Klinge eines Degens. Thorfin Njal bemerkte den hinterhältigen Kerl jedoch rechtzeitig, wirbelte blitzschnell herum und stieß übergangslos zu. Der Spanier schrie auf, ließ den Degen fallen und warf die Arme hoch. Er torkelte auf das Ende des Plateaus zu, verlor den Halt und stürzte rücklings in die Tiefe…
"Erwarten Sie nicht, daß ich Ihnen einen frohen guten Morgen wünsche, Mylord" sagte Hasard zu dem Grafen von Essex. «Er wird nämlich nicht froh verlaufen, gut schon gar nicht!» Der Graf wollte von seinem Stuhl hochfahren, doch das schaffte er nicht mehr. Der Seewolf packte den Tisch mit beiden Händen und kippte ihn um. Becher, Krüge, heiße Pfannen und Töpfe mit dampfenen Speisen stürzten zu Boden und zerschellten. Ihr Inhalt verfärbte so manches vornehm geschneiderte Beinkleid, und auch der Graf fand unversehens eine gebratene Gänsekeule auf seinem Schoß. Die heiße Soße hinterließ aus seinen weißen Strümpfen häßliche braune Spuren. Dies war jedoch erst der Auftakt, denn schließlich wollten alle Arwenacks das Kribbeln in ihren Fäusten loswerden, und sie waren entschlossen, Huntley's Kneipe erst dann zu verlassen, wenn sie das Kribbeln nicht mehr verspürten…